Peter Härtling
Der Schriftsteller Peter Härtling widmet sich in einem
großen Teil seines literarischen Werkes - sowohl in der Lyrik
als auch in der Prosa - der Aufarbeitung der Geschichte und der
eigenen Vergangenheit. Der autobiografische Roman
Zwettl (1973) beschäftigt sich mit der Zeit in
Niederösterreich nach der Flucht der Familie vor der Roten
Armee. Nachgetragene Liebe (1980) verarbeitet
Härtlings Erinnerungen an den früh verstorbenen Vater.
Thematisch beschäftigt sich Härtling in Gedichten, Essays und
Kritiken oft mit seiner Heimat, die er in Württemberg gefunden
hat.
Den Hintergrund für einen weiteren Schwerpunkt seines Schaffens
bilden die Literatur und die Musik der Romantik. Härtling
bereitete die Lebensgeschichten der Schriftsteller Friedrich
Hölderlin, Wilhelm Waiblinger und E. T. A. Hoffmann sowie der
Komponisten Franz Schubert und Robert Schumann in
Romanbiografien auf.
Lebensdaten von Peter Härtling
13.11.1933 Geburt in Chemnitz. Kindheit in Hartmannsdorf bei
Chemnitz, wo der Vater eine Rechtsanwaltskanzlei
unterhält.
1941 Umzug nach Olmütz/Mähren, der Vater versucht sich dem
direkten Zugriff der Nazis zu entziehen.
1945 Flucht nach Zwettl/Niederösterreich, dort erlebt Härtling
den Einmarsch der russischen Armee.Weitere Flucht zusammen mit
der Mutter, der Schwester, der Großmutter und der Tante nach
Wien und von dort mit vielen Zwischenstationen Richtung
Westen.
Juni 1945 Tod des Vaters im russischen Kriegsgefangenenlager
Döllersheim. Härtling erfährt davon erst ein Jahr später.
Anfang 1946 Eintreffen in Nürtingen. Nach einem Dreivierteljahr
ohne Schule geht Härtling wieder zum Gymnasium.
Oktober 1946 Selbstmord der Mutter.
1948 lernt Härtling den früheren Kommunisten und Maler Fritz
Ruoff kennen, einen Mann, der von den Nazis verfolgt wurde und
für Härtling ein Mentor wird.
Winter 1951 verläßt Härtling das Gymnasium, er kommt mit den
Lehrern nicht zurecht, die ihren Dienst versehen, wie sie das
seit den Nazis gewohnt sind. Für kurze Zeit arbeitet Härtling
in der Buchhaltung einer Korkfabrik.
Frühjahr 1951 besucht Härtling die von HAP Grieshaber
gegründete Bernstein-Schule.
1952 - 1954 Volontär in der Lokalredaktion der Nürtinger
Zeitung
1953 erscheint Härtlings erstes Buch, die Gedichte poeme und
songs, und Härtling beginnt andere Autoren
kennenzulernen.
1954 -1955 Redakteur bei der Heidenheimer Zeitung.
1956 versucht Härtling zum ersten Mal, als freier
Schriftsteller zu leben.
1956 -1962 Feuilleton-Redakteur bei der Deutschen Zeitung
zunächst in Stuttgart, nach 1960 in Köln.
1959 Heirat mit Mechthild Maier, Psychologin.
1962 Redakteur bei der Zeitschrift Der Monat, ab Mai 1964
Mitherausgeber.
1963 Geburt des Sohnes Fabian.
1964 Literaturpreis des Verbandes der Kritiker (Kritikerpreis)
für Niembsch.
1964 Lesung bei der Tagung der Gruppe 47 im "Alten Casino" am
Wannsee/Berlin.
Frühjahr und Sommer 1965 tritt Härtling für die SPD ein. Im
Wahlkontor Deutscher Schriftsteller überlegt er sich
Wahlkampfslogans und schreibt Reden für Politiker.
1965 Förderpreis Literatur des Landes Niedersachsen für
Niembsch. Geburt der Tochter Friederike.
1966 Ehrengabe des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen
Industrie für Niembsch. Prix du meilleur Livre Étranger für
französische Ausgabe von Niembsch. Geburt des Sohnes
Clemens.
Anfang 1967 Cheflektor im S. Fischer Verlag.
1968 Sprecher der Geschäftsleitung des S. Fischer
Verlags.
1970 Schubart-Preis der Stadt Aalen für Das Familienfest.
Geburt der Tochter Sophie.
1971 Gerhart-Hauptmann-Preis der Freien Volksbühne Berlin für
Gilles.
Zum Jahreswechsel 1973/74 scheidet Härtling aus der
Geschäftsführung des S. Fischer Verlags aus, seither freier
Schriftsteller.
1976 Deutscher Jugendbuchpreis für Oma.
1977 Stadtschreiber von Bergen-Enkheim.
1978 Wilhelmine-Lübke-Preis des Kuratoriums Deutsche
Altershilfe.
1979 -1980 beteiligt sich Härtling am Widerstand gegen den Bau
der Startbahn West am Frankfurter Flughafen.
1980 Zürcher Kinderbuchpreis "La vache qui lit" für Ben liebt
Anna und Sofie macht Geschichten.
1982 Naturschutzpreis der Kreisgruppe Groß-Gerau des Bundes für
Umwelt und Naturschutz.
Wintersemester 1983/84 Gastdozentur für Poetik an der
Universität Frankfurt am Main.
1985 Preis der Stiftung zur Förderung der Geistigen und
Kulturellen Arbeit.
Ab 1986 hält Härtling regelmäßig Seminare und Vorträge über
Schubert und Liedtexte, die auch von anderen Komponisten
vertont wurden. Freundschaft mit der Sängerin Mitsuko Shirai
und dem Pianisten Hartmut Höll.
1987 Hermann-Sinsheimer-Preis und Hölderlin-Preis der Stadt Bad
Homburg. Erste Lesungen nach dem Vorbild der Schubertiaden
zusammen mit Musikern.
1992 Lion-Feuchtwanger-Preis.
Frühjahr 1994 Poetik-Dozent an der Hochschule für Musik und
Gestaltung "Mozarteum" in Salzburg.
1994/1995 Vorlesungen an der Musikhochschule Karlsruhe.
1994 Verleihung des Titels eines Professors durch das Land
Baden-Württemberg.
1995 Stadtschreiber von Mainz.
1995 Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes.
1995 Nach Schulen in Schleswig, Wuppertal, Gaildorf,
Langenfeld/Rhld., Springe werden Schulen in Friedrichsdorf,
Riedstadt und Düsseldorf nach Peter Härtling benannt.
1996 Verleihung der Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes
Hessen.
1996 Verleihung der Karl-Preusker-Medaille durch die Deutsche
Literaturkonferenz.
1997 Uraufführung des Stücks Melchinger Winterreise durch das
Theater Lindenhof, Melchingen. Voerder Jugendbuchpreis.
1998 Wahl zum Präsidenten der Hölderlin-Gesellschaft.
1998 Schulen in Werl, Remchingen, Faßberg und Estedt werden
nach Peter Härtling benannt
2000 Eichendorff-Preis
2001 Dr. h.c. der Universität Gießen.
2001 Poetik-Dozentur der Universität Dresden.
2001 Sonderpreis des Jugendbuchpreises für das
kinderliterarische Gesamtwerk.
Härtling ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der
Literatur, Mainz; der Akademie der Künste von Berlin und
Brandenburg; der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung,
Darmstadt.
